DER BLOG

Schauspiel Hannover 2012/13

“Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

»Inmitten dieses permanenten Schwankens des Schicksals wird die Gegenwart Gestalt, wird riesengroß: Sie verdeckt die sich auflösende Zukunft, und die Menschen denken an nichts als den nächsten Tag.«

1840 diagnostizierte der französische Historiker Charles Tocqueville bereits jenen Befund, der auch unserer Zeit attestiert wird: Paralyse durch die Gegenwart, Verlust von Entwurfsfantasie. Zunehmend unübersichtlich wirkt die Welt. Schnell, für viele zu schnell, ziehen Ereignisse und Entwicklungen an uns vorüber. Fast täglich werden uns Meldungen als endzeitliche Menetekel präsentiert. Die Aufmerksamkeit erlahmt an Überforderung.

Das Theater ist zum Glück ein langsames Medium. Der Hysterie der Schnelllebigkeit ent- zieht es sich. Das gibt uns die Chance, ein Refugium zu schaffen. Ein Refugium der Zukunft. In ihm kann mit schon verloren geglaubter Geste, mit der Lust am Entwurf und an der Gestaltung der Versuch unternommen werden, die großen Weltzusammenhänge wiederherzustellen und Sinn zu konstruieren, auch dort, wo man ihn nicht vermuten würde. Das birgt mitunter überraschende Einsichten. Denn das Privileg der Künste (auch ihre Pflicht) ist es, Möglichkeitsformen durchzuspielen und der Wirklichkeit herausfordernd gegenüberzustellen. Sie sind entlastet von der praktischen Umsetzbarkeit, sie können entwerfen, reflektieren und in Erinnerung rufen, wann und weshalb wir was über die Zukunft dachten.

Wir werden in der neuen Spielzeit große Weltentwürfe bekannter Autoren wie Voltaire, Kafka, Lessing, Schiller, Tolstoi oder Ibsen auf unseren Bühnen für Sie entfalten, aber auch die der neuen jungen Dramatiker, wie Nis-Momme Stockmann, Katja Brunner, David Greig oder Anthony Neilson. Tom Kühnel wird sich im Ballhof an einer dramatischen Gesamtschau der Französischen Revolution, der Mutter aller Revolutionen, versuchen, während Jürgen Kuttner in einer Polit-Operette nach dem Zusammenhang von Staat und Utopie fahnden wird. Und mit Dea Loher kehrt eine alte Bekannte zurück, die hier in Hannover einst ihre ersten Erfolge feierte.
Daneben und darüber hinaus gibt es natürlich noch viel, viel mehr. Musikalisches und abgründig-komische Einblicke ins Familienleben.

Aber lesen Sie selbst. Ich freue mich auf Ihren Besuch. Viel Vergnügen!
Ihr Lars-Ole Walburg”

 

Endlich hat sie wieder begonnen – die Zeit der Theaterbegründungsprosa ist da! Im ganzen Land werden Stilblüten, viele Wahrheiten, Fotos, Forderungen nach Kulturerhalt, Fotos, Anekdoten, Premierenpläne, noch mehr Fotos, grafisch umgesetzte Kunsthandschriften und vieles mehr auf bedrucktem Papier zwischen zwei mehr oder minder dicke Buch- oder Heftrücken gepresst in die Hände der Fachpresse, der Kulturpolitiker und natürlich des Publikums gelegt.Die Spielzeithefte 2012/13 kommen heraus!

Wir werden für Sie lesen, vergleichen, lachen, weinen, staunen und das Schönste daraus zum Besten geben. Ab sofort auf dieser Seite und demnächst vielleicht auch in Ihrem Theater…

 

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